EuGH präzisiert Alterskriterium (Minderjähriger) für Recht auf Familienzusammenführung / Rs. A und S
„Minderjähriger“ i.S.d. RL 2003/86/EG bleibt für das Recht auf Familienzusammenführung ein im Alter unter 18 Jahren eingereister Drittstaatsangehöriger auch nach Erreichen der Volljährigkeit während eines erfolgreichen Asylverfahrens. (Seite 276)

EuGH (GK) betont verstärkten Schutz vor Ausweisung für straffällige EU-Bürger bei bestehendem Recht auf Daueraufenthalt / Verb. Rsn. B und Vomero
Betroffen sind ein Grieche in Deutschland und ein Italiener im Vereinigten Königreich. (Seite 281)

EuGH (GK) zu Kriterien für subsidiären Schutz eines Folteropfers (hier: aus Sri Lanka im Vereinigten Königreich) / Rs. MP
Zur Auslegung der RL 2004/83/EG entscheidet die Große Kammer im Licht von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, «dass ein Drittstaatsangehöriger, der in der Vergangenheit von den Behörden seines Herkunftslands gefoltert wurde und bei der Rückkehr in dieses Land nicht mehr der Gefahr einer Folter ausgesetzt ist, aber dessen physischer und psychischer Gesundheitszustand sich in einem solchen Fall erheblich verschlechtern könnte, wobei die Gefahr besteht, dass er aufgrund eines auf den ihm zugefügten Folterhandlungen beruhenden Traumas Suizid begeht, für die Zuerkennung des subsidiären Schutzstatus in Betracht kommt, sofern eine tatsächliche Gefahr besteht, dass ihm in diesem Land eine angemessene Behandlung der physischen oder psychischen Folgeschäden dieser Folterhandlungen absichtlich vorenthalten wird; dies zu prüfen ist Sache des nationalen Gerichts». (Seite 290)

EuGH (GK) zu den Bedingungen der Zulässigkeit der Auslieferung eines EU-Bürgers (Italiener) an einen Drittstaat (USA), wobei der ersuchte EU-Staat (Deutschland) eigene Staatsangehörige aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht ausliefert / Rs. Pisciotti
«Art. 18 und 21 AEUV [sind] dahin auszulegen, dass sie dem ersuchten Mitgliedstaat nicht verwehren, auf der Grundlage einer verfassungsrechtlichen Norm eigene Staatsangehörige und Staatsangehörige anderer Mitgliedstaaten unterschiedlich zu behandeln und diese Auslieferung zu gestatten, obwohl er die Auslieferung eigener Staatsangehöriger nicht erlaubt, sofern er vorher den zuständigen Behörden des Mitgliedstaats, dessen Staatsangehöriger dieser Betroffene ist, die Möglichkeit eingeräumt hat, ihn im Rahmen eines Europäischen Haftbefehls für sich zu beanspruchen, und dieser letztgenannte Mitgliedstaat keine entsprechende Maßnahme ergriffen hat.» (Seite 294)